Langzeitarbeitslose als
Betreuer im Pflegeheim: Sparen um (fast) jeden Preis?
ASB kritisiert Pläne der
Bundesregierung
26.08.2008 -
Der
Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) kritisiert die Pläne der Großen Koalition,
Langzeitarbeitslose nach einer kurzen Schulung zur Betreuung von Demenzkranken
einzusetzen. „Alte Menschen, die an einer demenziellen Veränderung leiden, sind
schwer krank und brauchen dringend fachkundige Betreuung“, so Gabriele Osing,
Leiterin der Abteilung Soziale Dienste beim ASB-Bundesverband. Sie von
Arbeitskräften betreuen zu lassen, die nur deshalb in einer Pflegeeinrichtung
tätig sind, weil sie zuvor lange erwerbslos waren, sei fahrlässig und wirke sich
negativ auf die von allen Seiten – auch von der Politik – geforderte
Pflegequalität aus.
„Wer heute noch der Auffassung
ist, qualitativ hochwertige Pflege könne von jedem erbracht werden, der sich –
ob gezwungen oder freiwillig – einer kurzen Schulung unterzieht, hat
offensichtlich schon lange keine Pflegeeinrichtung mehr von innen gesehen“, so
Osing. Viele hoch betagte alte Menschen, die an mehreren Krankheiten gleichzeitig
leiden und zusätzlich durch eine Demenz in ihrer Alltagskompetenz beeinträchtigt
sind, können trotz guten Willens und aller Bereitschaft nicht mehr von ihren
Angehörigen versorgt werden. Sie verbringen deshalb ihre letzte Lebenszeit in
einer Pflegeeinrichtung, weil eine hoch qualifizierte Fachpflege erforderlich
ist. Die dringend herbei gewünschte Unterstützung bei der Alltagsbetreuung, die
mit dem Pflegeweiterentwicklungsgesetz nun möglich schien, wird durch den
Vorschlag, Langzeiterwerbslose mit „Vorlesen und Einkaufen“ in die Pflege
einzubinden, ad absurdum geführt.
Zudem zeigen die Erfahrungen des
ASB im Saarland, der vielfältige Projekte zur Integration von
Langzeitarbeitslosen betreibt, dass die Eingliederung dort am besten
funktioniert, wo den Wiedereinsteigern im Arbeitsalltag Ansprechpartner
unterstützend und beratend zur Seite stehen können. „Gerade dies kann aber
aufgrund der Personalknappheit in den Pflegeheimen nicht ausreichend geleistet
werden“, so Osing. „Der ASB hat im Saarland deshalb im Bereich der Pflege kaum
positive Integrationserfahrungen gemacht.“
Weiter kritisiert der ASB die
Kürze der geplanten Qualifizierung für die Betreuung der demenzkranken Menschen.
Eine Weiterbildung von 100 Theorie- und 60 Praxisstunden reicht nach Ansicht des
ASB nicht aus, um die Bereitschaft und die Fähigkeit für den Umgang mit schwer
kranken alten Menschen herauszufinden. Jahrelange Bemühungen um eine hohe
professionelle Qualität der pflegerischen Betreuung werden mit dem Vorhaben der
Bundesregierung in Frage gestellt.