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Arbeiter-Samariter-Bund   60 Jahre Kolonne Kassel

Seit 60 Jahren ist der Arbeiter-Samariter-Bund in Kassel für alle da

Soziales Verantwortungsbewusstsein gegenüber unseren Mitmenschen prägte von Beginn unserer Tätigkeit als Arbeiter-Samariter unser Tun. Mit diesem Grundsatz haben sich hier in Kassel, genau vor 60 Jahren, verantwortliche Männer und Frauen zusammengefunden, um für ihre Nächsten auch in der Stunde der Not bereitzustehen. Viele äußere Umstände haben sich in den zurückliegenden sechs Jahrzehnten in der Tätigkeit des ASB gewandelt und der Zeit angepasst. Wir sind moderner, sind leistungsfähiger geworden. Und, was noch wichtiger ist, wir werden heute in weitesten Kreisen der Bevölkerung anerkannt. Aber an unserem Grundsatz, selbstlos und nach besten Kräften jedem zu helfen, hat sich absolut nichts geändert.

Angesichts der vielfältigen Aufgaben, die sich uns in einer hochindustrialisierten Gesellschaft stellen, fühlen wir uns in unserem Wollen sogar noch bestärkt. Wir werden unseren Weg konsequent fortsetzen.

Die Häufung von Unfällen in Fabriken und vor allem auch im Baugewerbe hatte die Berliner Arbeiter schon Ausgang des vorigen Jahrhunderts zur Selbsthilfe greifen lassen. Das waren die Anfänge des Arbeiter-Samariter-Bundes in Deutschland. Auch unter der schon damals sehr sozial aufgeschlossenen Bevölkerung Kassels regte es sich auf diesem Gebiet Anfang unseres Jahrhunderts. So kam es am 18. April 1909 zur Gründung der ersten Kolonne Kassel des ASB. Hier wie in Berlin und inzwischen auch in zahlreichen anderen Städten Deutschlands war es das erste Ziel, bei Unfällen am Arbeitsplatz Erste Hilfe zu leisten und dafür geschult zu sein.

Weil gerade in jener Zeit auch die Arbeiter-Sportvereine sehr rege waren, bot sich für die Arbeiter-Samariter natürlich an Wochenenden auch der Dienst auf den Sportplätzen an. Der Kreis, der sich am Anfang in Kassel zusammenfand, war klein, und die finanziellen Möglichkeiten natürlich ebenfalls gering. Der Opferbereitschaft der ersten Arbeiter-Samariter, die selbst immer wieder Spenden zum Erhalten und Wachsen ihrer eigenen Hilfsorganisation beisteuerten, ist sehr viel zu verdanken. Dabei hatten diese Männer und Frauen meist nicht sehr viel Geld übrig. Hinzu kam, dass eine verständnislose Obrigkeit damals oft genug den ASB-Vertretern Steine in den Weg legte. Bei ihrem ersten größeren öffentlichen Auftreten, anlässlich der 1000-Jahrfeier der Stadt Kassel, im Jahre 1913 zum Beispiel, wurden die nur mit ihren Armbinden gekennzeichneten Arbeiter-Samariter noch von den von ihnen eingenommenen Plätzen verwiesen und obendrein ausgelacht.

Aber die Bevölkerung erkannte schneller als die damaligen Organe des Staates, dass ihr ja hier aus der Eigenverantwortung von Männern und Frauen eine zusätzliche Hilfemöglichkeit erwuchs. Denn die Arbeiter-Samariter in Kassel versäumten keine Gelegenheit, jedermann zu beweisen, dass sie etwas vom Sanitätswesen verstanden. In der Zeit bis zum ersten Weltkrieg hatte sich die Kolonne Kassel deshalb nicht nur behaupten können, sie vermochte ihre Organisation sogar in bescheidenem Maße auszubauen.

Unter der Not des ersten Weltkrieges, an dem ebenfalls viele Arbeiter-Samariter teilnehmen mussten, wandelte sich auch bereits die Einstellung zu diesen Männern und Frauen. Viele von ihnen "durften" in Sanitäts-Einheiten Dienst tun und die daheim gebliebenen ASB-Mitglieder wurden ebenfalls zur Versorgung der armen Menschen herangezogen, die daheim mit den Verwundetenzügen eintrafen.

Nach Ende des ersten Weltkrieges gelang auch den Arbeiter-Samaritern der entscheidende Durchbruch im Kasseler Raum. In der unruhigen Zeit nach dem großen Krieg war der Bedarf an geschultem Sanitätspersonal besonders groß. In diese Epoche fiel auch die Einrichtung der ersten Unfallwache am Holzmarkt in Kassel. Sie war für heutige Begriffe äußerst bescheiden und in einem einzigen kleinen Raum untergebracht. Die Indienststellung des ersten Krankenwagens im Jahre 1926 war für den Arbeiter-Samariter-Bund, Kolonne Kassel, ein Ereignis und zugleich ein Meilenstein auf dem Wege des Fortschritts. Bald reichte die Unfallwache am Holzmarkt nicht mehr aus. Sie war für die Aufgaben zu klein geworden. Und so erhielt die Kolonne Kassel ihre nächste Wache in der Waisenhausstraße. Immer mehr Ansehen wurde den Kasseler Arbeiter-Samaritern durch ihren selbstlosen und freiwilligen Einsatz zuteil. Die Modernisierung der inzwischen auf 240 Mitglieder angewachsenen Kolonne, ihre Ausstattung mit den damals neuesten Mitteln des Hilfswesens, machte gute Fortschritte.

Und dann traf sie der wohl bisher schwerste Schlag in ihrer bisherigen Geschichte. Die Machthaber des Dritten Reiches hatten nichts Eiligeres zu tun, als das gesamte Vermögen des Arbeiter-Samariter-Bundes zu beschlagnahmen. Die Organisation des ASB wurde aufgelöst und die mühsam erworbenen Krankenwagen wurden unter freiem Himmel stehen gelassen. Sie verrosteten, ohne eingesetzt zu werden. So stark war der Hass.

Auch nach Ende des zweiten Weltkrieges war es durchaus nicht leicht, sofort wieder neu zu beginnen. Mancherorts standen auch die Vertreter der Besatzungsmächte dem Bestreben einzelner Arbeiter-Samariter, ihre Organisation wieder auf die Beine zu bringen, abwartend gegenüber. Doch 1949 war es endlich so weit. Ein ehemaliger Arbeiter-Samariter setzte eine Anzeige in die Zeitung und dann trafen sich alle Interessierten in einer kleinen Gaststätte in der Kasseler Altstadt. Der Aufstieg des Kasseler Arbeiter-Samariter-Bundes bis zu seiner jetzigen Größe konnte beginnen.

Wenn es in Kassel heute rund 400 Mitglieder des Arbeiter-Samariter-Bundes gibt, von denen etwa 150 aktiv mitarbeiten, dann darf nicht übersehen werden, wie viel persönlicher Einsatz notwendig war, dorthin zu kommen. Ohne die Bereitschaft jüngerer und älterer Menschen, ihre Freizeit zu opfern, auch finanziell ihr Scherflein beizutragen und ohne all die Unterstützung, auch durch Behörden und Organisationen, wäre all das gar nicht möglich gewesen.

So konnte denn auch 1955 am Entenanger in Kassel eine für damalige Verhältnisse hochmoderne Unfallwache eingerichtet werden. Doch die Entwicklung ging mit solchen Riesenschritten voran, dass es zumindest schon wieder viel zu eng geworden ist. Es fehlt an geeigneten Unterstellmöglichkeiten.

Das Clinomobil, Brutkästchen, moderne Funksprechgeräte, Beatmungsanlagen, alles das sind Dinge, über die der Arbeiter-Samariter-Bund heute in Kassel verfügt. Unsere Organisation ist sich auch des Vorzuges bewusst, dass bei uns freiwillig viele junge Menschen mitarbeiten.

Am Tage unseres 60jährigen Bestehens bin ich mir durchaus auch der Tatsache bewusst, dass trotz aller Erfolge gar kein Anlass besteht, sich auf unseren Lorbeeren auszuruhen. Im Gegenteil, die Kolonne Kassel des ASB, die jetzt ins siebente Jahrzehnt ihrer Tätigkeit geht, muss am Mann bleiben. Sie will modern und geschlossen ihren Dienst für jedermann, gleich welchem Stand er angehört, tun.

In diesem Sinne wünsche ich dem ASB eine weitere segensreiche Entwicklung.

Günter Strasser 1. Vorsitzender

 


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        Stand: 13. April 2012 -- Fragen ?
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